Förderung des Spracherwerbs

Eigentlich ist es immer wieder ein kleines Wunder, dass viele Kinder ohne große Mühe sprechen lernen. Vor allem dann, wenn man sich klarmacht, welche Leistungen damit verbunden sind. Zahlreiche Kinder haben jedoch mehr oder weniger Schwierigkeiten dabei. Bei jedem vierten Kind werden mittlerweile Störungen des Spracherwerbs festgestellt. Dies ist ein alarmierendes Zeichen. Grund genug, vorbeugende und unterstützende Tipps vorzustellen. Hilfreich sind Kenntnisse über den normalen Spracherwerb. Um beide Aspekte geht es im folgenden.

1. Der Spracherwerb

1.1 Die biologischen Voraussetzungen

Die Voraussetzungen für einen ungestörten Spracherwerb beginnen mit der Schwangerschaft. Hierbei entwickelt das ungeborene Kind seine biologischen Anlagen, um Sprache erwerben und anwenden zu können:

  • die sogenannten Sprechwerkzeuge wie den Mund, den Kehlkopf und den Nasen-Rachen-Raum
  • die Ohren und die Augen als sprachinformationsaufnehmende Organe
  • das Gehirn als zentrale Schaltstelle der Verarbeitung und Speicherung von Informationen und Steuerung von dafür erforderlichen Nervenimpulsen.

Sind diese Organe ausgebildet, probiert das Kind bereits im Mutterleib deren Funktionen aus, indem es beispielsweise am Daumen lutscht, Fruchtwasser trinkt und auch von außen hereindringende Geräusche hört. Manchmal spürt dies eine schwangere Frau, z.B. wenn ihr Kind mit Bewegung auf laute oder plötzliche Geräusche reagiert.

1.2 Wodurch erwirbt ein Kind Sprache?

Ausgerüstet mit seiner biologischen Grundausstattung taucht der Säugling dann mit der Geburt in ein regelrechtes „Sprachbad” ein. In der Regel besteht zunächst zur Mutter ein besonders intensiver Kontakt, der mit Sprachangeboten einhergeht. Wir reden mit Säuglingen und Kleinkindern, obwohl wir wissen, dass sie uns noch nicht verstehen können. Wir können wiederum nicht mit Gewissheit sagen, was sie mit ihren in den ersten Lebensmonaten vorwiegend stimmlichen Äußerungen meinen. Dennoch starten wir „Übersetzungsversuche”, indem wir das Verhalten deuten, fragen und benennen. Eltern, Geschwister, Verwandte und andere Menschen, also die soziale Umwelt, begleiten ihre Handlungen sprachlich – natürlich nicht jederzeit, aber sehr häufig. Ihre Äußerungen passen sich intuitiv an die sich wandelnden Fähigkeiten des Kindes an. Dabei kommt es vor allem während der frühen Entwicklung zu zahlreichen Wiederholungen des Gesagten sowie überdeutlichen begleitenden nicht-sprachlichen Signalen durch Mimik und Gestik. Dies alles geschieht innerhalb wiederkehrender Situationen, sogenannter Routinen. Sie geben dem Kind durch die Wiederholungen vertraute Sicherheit, gleichzeitig durch kleine Veränderungen Anreize zur Entwicklung.

Dies alles müssen Eltern nicht extra lernen – sie tun dies rein gefühlsmäßig richtig.

Insbesondere in der frühen Kindheit steht die allgemeine körperliche und geistige Entwicklung in sehr engem Zusammenhang mit der sprachlichen Entwicklung. Im Laufe seiner Entwicklung und mit den zunehmenden Fähigkeiten des Kindes, seinen Körper kontrolliert einzusetzen, weitet es selber die Auseinandersetzung aktiv auf die ihn umgebenden Dinge aus. Es hantiert mit ihnen, lernt seine Beschaffenheit kennen und die Möglichkeiten, sie zu verändern. Seine soziale Umwelt hilft ihm sowohl bei der Beschäftigung mit den Dingen als auch dabei, diese Erfahrungen in Worte umzusetzen.

Dazu ein Beispiel aus einer alltäglichen Situation: Ein kleines Kind krabbelt durch den Raum. Der Vater hält ihm eine Rassel hin und schüttelt sie, um die Aufmerksamkeit des Kindes auf das Spielzeug zu lenken. Die Kontrolle über die Kopfhaltung ermöglicht es dem Baby, diesen längere Zeit „im Auge zu behalten”. Auf diese Weise erfasst es die Form und Farbe – einfach all das, was zu sehen gibt. Es bewegt sich dorthin und ergreift die Rassel mit der Hand, so dass weitere Sinneseindrücke hinzukommen: die Beschaffenheit der Oberfläche und die Form. Im frühen Kindesalter steckt es außerdem Gegenstände häufig in den Mund. So erspürt es sie ebenfalls. Natürlich kommt auch der Geschmack hinzu. Es hantiert damit und lauscht auf die auf die dabei entstehenden Geräusche. Wenn ihm das Geräusch Freude bereitet, wird es die Bewegung wiederholen. Möglicherweise sagt der Vater nun etwas, um die Spielhandlung aufrechtzuerhalten: „Gefällt dir die Rassel? Das ist eine schöne Rassel, hm! Schüttel die Rassel nochmal. Nein? Dann schüttel ich die Rassel. Schau!” Und er bewegt sie vor den Augen des Kindes, dessen Neugierde wieder erwacht. Und so beginnt das Spiel erneut – sicherlich nicht immer unterstützt durch sprachliche Begleitung, aber sehr häufig. Die Aufmerksamkeit des Kindes und die konzentrierte Beschäftigung mit der Rassel wird über die sprachliche Zuwendung einer anderen Person in einer angenehmen Situation gelenkt. Alle dabei gemachten Eindrücke, Gefühle und auch die Worte dafür werden miteinander verknüpft und im Gedächtnis gespeichert. Sie sehen: Der Spracherwerb beginnt lange bevor das Kind selber sprechen kann.

Anhand des geschilderten Beispiels ist ein wesentlicher Motor des Spracherwerbs deutlich geworden, der aus der wechselseitigen Beeinflussung von sprachkompetenten Personen und dem Kind besteht. In der Fachsprache wird dieser Prozess Interaktion genannt. Er setzt mit der Geburt des Kindes ein und verändert sich fortwährend hin zu einem immer höheren Niveau. Dennoch, allein anhand solcher sozialen Interaktionen lässt sich kaum erklären, wie das Kind es innerhalb von 3-4 Jahren schafft, die Vielzahl an sprachlichen Regeln zu lernen. Dies hat bei vielen Fachleuten zu der Annahme geführt, dass dem Erwerb sprachlicher Regeln, insbesondere der Grammatik (s.u.), eine spezifische Lernfähigkeit von Geburt an zugrundeliegt.

1.3 Weiterentwicklung der biologischen Grundausstattung des Kindes

Das Zusammenwirken innerer Reifungsprozesse und äußerer Anregungen führt dazu, dass die biologische Grundausstattung des Kindes enorm erweitert wird. Man könnte alle einwirkenden Anregungen wie Geräusche, Sprache, Berührungen, ja einfach jede gemachte Erfahrung als „Nervennahrung” bezeichnen. Allein das Gewicht des Gehirns hat sich bis zum Ende des ersten Lebensjahres mehr als verdoppelt. Dies hängt damit zusammen, dass sich Nervenzellen ausdifferenzieren, Verbindungen zu anderen Zellen herstellen und durch eine spezifische Ummantelung bestimmter Substanzen Nervenimpulse schneller weiterleiten können. Dies alles bezeichnet man als neuronale Reifung. Sie liegt sowohl der Steuerung der (Sprech-)Bewegung als auch der Verarbeitung von Reizen wie z.B. Gehörtem sowie dem Zusammenspiel verschiedener Sinneswahrnehmungen und Teilleistungen, z.B. Merkfähigkeit, zugrunde.

Die neuronale Reifung ist also eine wesentliche Grundlage dafür, dass das Kind Sprache erwerben kann. Allein die Produktion der Gurrlaute in den ersten Lebensmonaten und das Silbenplappern gegen Ende des ersten Lebensjahres (s.u.) setzt andere neuronale Verknüpfungen voraus. Hinzu kommen weitere Veränderungen des Körperbaus, die Sprechen ermöglichen. So entstehen in den ersten drei Lebensmonaten die für Menschen typischen räumlichen Verhältnisse im Bereich des Nasen-Rachen-Raumes, die zur Lautbildung notwendig sind.

2. Welche sprachlichen Fähigkeiten erwirbt das Kind?

2.1 Entwicklung der Aussprache

In den ersten Lebensmonaten experimentiert der Säugling mit seiner Stimme. Er produziert zahlreiche Geräusche und macht auf diese Weise erste Erfahrungen mit Sprachlauten und den dafür erforderlichen Sprechbewegungen, auch wenn diese Laute noch nicht mit festen Bedeutungen verbunden sind. So erwirbt er allmählich die willentliche Kontrolle über die für das Sprechen notwendigen Bewegungen. Mit zunehmendem Lebensalter vergleicht es die gehörten Sprachlaute aus seiner Umgebung mit seinen eigenen und passt diese entsprechend an. Selbst gehörlose Säuglinge durchlaufen die erste sogenannte Lallphase. Sie verstummen erst dann, wenn es um den Vergleich mit den sie umgebenden Sprachlauten und deren Nachahmung geht. Bei dem hier beschriebenen Aspekt des Spracherwerbs handelt es sich um die Aussprache. Dazu gehört, dass das Kind alle in seiner Muttersprache vorhandenen Laute bilden und sie entsprechend den Regeln des jeweiligen Sprachsystems anwenden lernt.

Nach und nach formt das Kind Sprachlaute dahingehend, dass erkennbare Worte entstehen. Damit gehen andere wichtige Erkenntnisprozesse einher. Zum einen ist es die Tatsache, dass Gegenstände auch dann noch existieren, wenn sie für das Kind nicht greifbar vorhanden sind. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass ein Kind einen Spielgegenstand sucht, obwohl er nicht in seinem Blickfeld ist. Zum anderen sind es die vielfältigen konkreten, von seinem Umfeld sprachlich begleiteten Erfahrungen mit sich selbst, mit Dingen und Handlungen, die ihm die Bedeutung der Worte vermitteln. Allmählich verbindet sich dieses Wissen mit sprachlichen Kenntnissen: Ein Wort wird zum Stellvertreter für den realen Gegenstand, eine Tätigkeit oder für Gefühle. Später kommen komplexere Wörter hinzu, die abstraktere Inhalte und grammatische Bezüge ausdrücken. Auch die Erwerbsstrategie verändert sich mit dem Lebensalter. Das Kind wird zunehmend unabhängiger von der konkreten Anschauung. Der Wortschatz des Kindes entwickelt sich.

2.3 Entwicklung der Grammatik

Eng verbunden mit der Entwicklung des Wortschatzes ist der Aufbau von Sätzen. Vorläufer davon stellen bereits die Doppelungen derselben Wörter und die ersten Kombinationen verschiedener Wörter beim Übergang von der Einwort- zur Zweiwortphase dar. So kann beispielsweise die Äußerung „Mami Tasse!” abhängig von der Situation verschiedenes bedeuten: Vielleicht möchte das Kind den Wunsch nach einer Tasse übermitteln, möglicherweise will es lediglich feststellen, dass die Mutter eine Tasse hat. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass das Kind mehr sagen möchte, als ihm an sprachlichen Mitteln zur Verfügung steht. Die Bedeutung seiner Äusserung zu verstehen und angemessen zu übersetzen und zu erweitern, ist Aufgabe seines sozialen Umfeldes. Im Laufe seiner Sprachentwicklung hat das Kind ein komplexes sprachliches Regelsystem „zu knacken”. Es lernt zum Beispiel die Regeln der Wortstellung, wobei die Stellung des Tätigkeitswortes zunächst herausragend ist. Des weiteren ist es die Veränderung einzelner Wörter, die innerhalb eines Satzes aufeinander abgestimmt sind. So ist die Endung des Tätigkeitswortes abhängig vom Hauptwort: Ich gehe - du gehst. Das Kind erwirbt also das grammatische Regelsystem unserer Sprache.

2.4 Entwicklung der Kommunikation

Lange bevor der heranwachsende kleine Mensch ein Gespräch führen kann, werden ihm grundlegende Anreize dazu vermittelt. Bei der genaueren Betrachtung früher Unterhaltungen mit Säuglingen wurde festgestellt, dass Sprechende zwischen ihren Äußerungen eine kleine Pause einhalten. Diese Pausen signalisieren, dass eigentlich an dieser Stelle eine Antwort erwartet wird. Mit den zunehmenden sprachlichen Fähigkeiten füllt das Kind diese Lücken tatsächlich aus. Natürlich unterscheiden sich Gespräche mit Kindern von denen mit anderen Gesprächspartnerinnen und -partnern. Dennoch: das „Sich-Mitteilen und Sich-Austauschen mit anderen” und später das Erzählen von Erlebtem etc. geschieht von Beginn an in altersgemäßer Weise. Dieser Bereich des Spracherwerbs umfasst die gesamte Anwendung der sprachlichen und nicht-sprachlichen Kenntnisse (Mimik und Gestik), also die Kommunikation.

2.5 Entwicklung des Sprachverständnis

Das Verstehen von Sprache entwickelt sich in demselben Rahmen wie die anderen sprachlichen Bereiche auch. Zeitlich geht es der Fähigkeit, Sprache anzuwenden, voraus, d.h. das Kind versteht uns, bevor es sich selber äußern kann. Lange Zeit ist dieses Verständnis jedoch eng an die jeweilige Situation gebunden. Ein echtes Sprachverständnis entwickelt sich schrittweise, bis es sich von der konkreten Situation löst.

2.6 Entwicklung des Redeflusses

Die Planung und Ausführung von mündlichen Äußerungen stellen eine hohe Anforderung an das Kind dar. So verwundert es nicht, dass damit häufig Satzabbrüche, Umformulierungen, Wortwiederholungen und kleine Denkpausen einhergehen. Sie bewirken, dass das Sprechen des Kindes unflüssig klingt. Außerdem muss die Feinabstimmung der Muskelbewegungen, die für das Reden notwendig sind, sich erst entwickeln und reifen. Dies ist eng verbunden mit den hier geschilderten sprachlichen Entwicklungsbereichen und solchen, die für die Bewegungskontrolle zuständig sind. Der Redefluss unterliegt also ebenfalls einem längeren Entwicklungsprozeß.

2.7 Entwicklung des Sprachgefühls

Nicht zuletzt lernt das Kind während seiner Sprachentwicklung quasi „nebenbei” etwas, was nichts mit einzelnen Lauten, Wörtern oder grammatischen Strukturen zu tun hat, aber dennoch die Verständlichkeit unserer Lautsprache beeinflußt: Betonungen, Pausen, Sprechrhythmus, Tonhöhen und -tiefen etc. Denken Sie nur einmal daran, dass der Anstieg der Tonhöhe am Ende eines Satzes eine Frage anzeigt. Man könnte dies alles mit Sprachgefühl bezeichnen.

Sie haben nun eine Vorstellung davon bekommen, welches enorme Lernpensum das Kind während seiner Sprachentwicklung zu bewältigen hat. Auch wenn diese Bereiche zum besseren Verständnis hier getrennt vorgestellt wurden, heißt dies nicht, dass das Kind sie nacheinander erwirbt. Vielmehr ist es so, dass sie sich gegenseitig bedingen. Denken Sie noch einmal daran, dass auch grammatische Regeln wie z.B. Einzahl- und Mehrzahlbildung mit einem Bedeutungsunterschied einhergehen, der in den Wortschatz hineingreift. Auch müssen beispielsweise die Voraussetzungen der Aussprache von grammatikalischen Endungen (Bsp.: du singst) bei Tätigkeitswörtern gegeben sein.

Voraussetzungen für einen ungehinderten Spracherwerb sind:

  • die Kontrolle über Bewegungen vor allem der Körperteile, die für das Sprechen zuständig sind (z.B. Lippen und Zunge);
  • eine exakte Sinneswahrnehmung der von außen auf das Kind einströmenden Reize wie Gehörtes und Gesehenes, aber auch solcher Sinnesreize, wie z.B. „Spüren”, die Informationen über die Lage einzelner Körperteile geben;
  • psychische Fähigkeiten, die die Verarbeitung von Informationen betreffen oder Voraussetzung dafür sind, wie z.B. Konzentration und Aufmerksamkeit
  • eine soziale Atmosphäre, in der das Kind sich angenommen fühlt und sprachliche Anregungen bekommt.

3. Tipps zur Vorbeugung und Unterstützung

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, den Spracherwerb zu fördern, Störungen des Spracherwerbs vorzubeugen bzw. in ihrem Verlauf zu mildern. Sie beginnen bereits mit der Schwangerschaft. Während dieser Zeit ist es notwendig, alle schädigenden Einflüsse, z.B. durch Nikotin- oder Alkoholgebrauch, zu meiden. Dies hat erwiesenermaßen negative Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung. Weiterhin ist es nach der Geburt wichtig, alle ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Auf diese Weise können frühzeitig Entwicklungsauffälligkeiten erkannt und behandelt werden.

Eines ist vom frühen Säuglingsalter an wichtig: Sprechen und spielen Sie mit Ihrem Kind. Für jede Beschäftigung gilt: Reduzieren Sie nach Möglichkeit Störquellen. Wenn der Fernseher läuft, die Waschmaschine rappelt und gleichzeitig eine Kinderkassette läuft, wird Ihr Kind kaum in der Lage sein, dem Gesagten zu folgen. Seine Aufmerksamkeit für Gehörtes wird gestört. Unterbrechungen erschweren die konzentrierte Beschäftigung miteinander oder mit einer Sache.
In den ersten Lebensmonaten sieht die sprachliche Zuwendung natürlich anders aus als im Alter von 4 Jahren. Dennoch ist dies für das Kleinkind bereits vor dem eigenen Sprechbeginn ein wesentlicher Anreiz für den Spracherwerb. Solche Formen der gemeinsamen Beschäftigung, z.B. begleitend zur körperlichen Pflege, entwickeln sich in der Regel von alleine. Das müssen Sie nicht extra lernen. Wenn der Alltag sehr hektisch ist, ist es sinnvoll, einen zeitlichen Rahmen zu schaffen, damit dieser natürliche Austausch entsteht.

Sprache vermittelt über den Inhalt des Gesagten hinaus auch Gefühle und Stimmungen. Ihr Baby spürt dies. Kinderlieder und einfache Fingerspiele fördern frühzeitig das Sprachgefühl. Sie bewirken außerdem, dass das Kind sich wohl und angenommen fühlt.
Mit zunehmendem Alter ist es wichtig, Gefühle sprachlich auszudrücken. Manchmal muss man „zwischen den Zeilen lesen”. Wenn Ihr Kind weint oder aggressiv reagiert, kann man vielleicht sagen: „Das hat dir gar nicht gefallen, hm. Bist du wütend?”.
Wenn Probleme auftreten, sollten wir Kinder dabei unterstützen, sie zu lösen. So zu tun, als ob alles in Ordnung ist, hilft ihnen wenig weiter. Hilfreich ist es dagegen, gemeinsam herauszufinden, was zu den Schwierigkeiten geführt hat und was man dagegen tun kann. Die Sichtweise der anderen zu verstehen, ist oftmals Teil der Lösung. Dazu bedarf es Gespräche.

Kinder sind neugierig. Sie wollen ihre Umwelt erforschen. Dabei benötigen sie unsere Unterstützung. Für Erwachsene kann es eine schöne Erfahrung sein, gemeinsam mit Kindern die kleinen Dinge des Alltags neu zu entdecken. Benennen Sie die Dinge, mit denen Ihr Kind sich beschäftigt. Lassen Sie es möglichst viel ausprobieren. So lernt es vieles mit allen Sinnen kennen und kann Worte „mit Inhalt füllen”. Es erlebt, wie eine Rose duftet, wie sauer eine Zitrone schmeckt und wie weich sich das Fell eines jungen Hundes anfühlt. Dank sprachlicher Vorbilder lernt es, seine Erfahrungen in Worte zu fassen.

Schön ist es, wenn Sie Ihr Kind an Ihrem Tagesablauf teilnehmen lassen. Kinder sind stolz darauf, wenn sie „mitmachen” dürfen. Begleiten Sie dabei Ihre eigenen Handlungen und die des Kindes sprachlich, z.B.: „Schau, jetzt gebe ich einen Löffel Teig auf das Waffeleisen und mache es zu. Nun müssen wir warten, bis das grüne Lämpchen leuchtet. Dann ist die Waffel fertig.” Sie können sicher sein, dass Ihr Kind z.B. nach dem gemeinsamem Waffelbacken am liebsten jedem erzählen möchte, was es geschafft hat.

Bilder- und Kinderbücher sind hervorragende Mittel, Sprache anzuregen. Zunächst eignen sich Bücher mit einfachen Abbildungen. Konkrete Gegenstände können zugeordnet werden. Im Alter von ca. 2 Jahren können Sie sich bereits einfache Situationsbilder gemeinsam ansehen, kurze Abschnitte vorlesen und darüber reden. Günstig ist es, wenn sich Anknüpfpunkte zur kindlichen Erlebniswelt ergeben. „Schau mal, das Mädchen trinkt Kakao. Was trinkst du gerne?”.
Je älter Ihr Kind wird, desto besser kann es längere Zeit zuhören. Es wird es genießen, wenn Sie ihm vorlesen. Vielleicht werden Sie feststellen, dass es Lieblingsgeschichten hat, die es immer wieder hören mag. Manchmal können Kinder ganze Abschnitte auswendig. Dennoch wird ihnen dabei nicht langweilig – im Gegenteil: Kinder mögen Wiederholungen. Und sie brauchen sie auch, damit sie Sprache leichter verarbeiten können.

Die kindliche Sprechfreude ist eine gute Voraussetzung für den Spracherwerb. Kinder sprechen nicht unmittelbar fehlerfrei. Damit sie dennoch den Mut haben, sich zu äußern, ist es wichtig, dass sie sich für ihre Fehler nicht schämen. Dies lässt sich u.a. dadurch erreichen, dass Kinder für ihre Sprachfehler nicht kritisiert oder getadelt werden. Sie helfen Ihrem Kind, wenn Sie fehlerhaft Gesprochenes korrekt wiedergeben und erweitern. So ein Gespräch könnte folgendermaßen ablaufen: Nehmen wir an, Sie gehen zusammen einkaufen. Ihr Kind zeigt auf Birnen am Markstand und sagt: „Mama, Äpfel haben!” „Du magst Äpfel haben? Ja, wir können Äpfel kaufen. Aber das hier sind Birnen. Sie sehen zwar ein bisschen aus wie Äpfel, das stimmt. Aber sie sind anders. Wir können ja von beiden Obstsorten etwas mitnehmen. Mal sehen, was dir besser schmeckt.”.

Es ist wichtig für Kinder zu erfahren, dass sie mit Sprache etwas bewirken können. Sie ermöglichen Ihrem Kind dies, indem Sie ihm Handlungsalternativen einräumen. Dies kann mit der Wahl des Essens beginnen. Schon kleine Entscheidungsspielräume wie „Möchtest du Wurst oder Käse auf deinem Brot haben?” sind eine sinnvolle Sprechanregung.
Wenn es älter ist, weitet sich dieser Spielraum aus. Eine Freizeitbeschäftigung wie beispielsweise ein Geburtstagsfest oder ein Besuch im Zoo kann ein guter Sprechanlass sein. Es gibt dabei eine Menge zu überlegen: Wen laden wir ein? Was wollen wir spielen? Was kochen und backen wir? etc. In solchen Gesprächen lernt Ihr Kind sehr viel „ganz nebenbei”.

Der wichtigste Tipp zur Förderung des Spracherwerbs ist also: Reden Sie miteinander.



Weiterführende Informationen:

  • Sprich mit mir. Tipps, Informationen und Spiele zur Förderung der Sprachentwicklung. Herausgegeben von der BARMER und „Mehr Zeit für Kinder e.V.“ (1997)
  • Eine Zusammenstellung empfehlenswerter Spiele ist unter folgender Adresse zu beziehen:

-spiel gut-
Arbeitsausschluss Kinderspiel und Spielzeug e.V.
Neue Strasse 77
89073 Ulm

  • Eine Zusammenstellung empfhelenswerter Kinder- und Bilderbücher ist unter folgender Adresse zu beziehen:

Arbeitskreis für Jugendliteratur
Metzstrasse 14
81667 München



Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs) (Hrsg.): 4 Förderung des Spracherwerbs. Emsdetten: Lechte Druck.
Download der Broschüre als .pdf-Datei

Kontakt:

Deutsche Gesellschaft für Sprachheilpädagogik e.V. (dgs)
Goldammerstr. 34
12351 Berlin

Fax: 030-6 61 60 24
Telefon: 030-6 61 60 04
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Internet: dgs

foerderung_des_spracherwerbs.txt · Zuletzt geändert: 2011/05/10 22:47 (Externe Bearbeitung)
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