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diagnostik:mehrsprachigkeit [2016/11/11 11:16]
stitzinger
diagnostik:mehrsprachigkeit [2016/11/11 11:16] (aktuell)
stitzinger
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 Im Fall einer Diagnostik im mehrsprachigen Kontext gehen die an die Erhebungsinstrumente gestellten Anforderungen zusätzlich über diese Kriterien hinaus: Hier wird zusätzlich eine starke personale Orientierung gefordert, bei der das Kind mit seinen individuellen Voraussetzungen und Entwicklungsbedingungen im Mittelpunkt steht. Aus diesem Grund werden Analysen der jeweiligen kindlichen Spracherfahrungen in den verschiedenen Lebenswelten gefordert, die mit einer differenzierten Betrachtung aller genutzten Sprachsysteme einhergehen soll (vgl. ebd. S.101.). ​ Im Fall einer Diagnostik im mehrsprachigen Kontext gehen die an die Erhebungsinstrumente gestellten Anforderungen zusätzlich über diese Kriterien hinaus: Hier wird zusätzlich eine starke personale Orientierung gefordert, bei der das Kind mit seinen individuellen Voraussetzungen und Entwicklungsbedingungen im Mittelpunkt steht. Aus diesem Grund werden Analysen der jeweiligen kindlichen Spracherfahrungen in den verschiedenen Lebenswelten gefordert, die mit einer differenzierten Betrachtung aller genutzten Sprachsysteme einhergehen soll (vgl. ebd. S.101.). ​
  
-===== 1.2 Perspektiven =====+===== 1.2Perspektiven =====
  
 Es ist grundsätzlich festzuhalten,​ dass dem Bedarf an Instrumenten zur Diagnostik mehrsprachiger Kinder zunehmend weiter nachgegangen wird. Dennoch ist stets zu beachten, dass viele sprachliche Phänomene, die nur im mehrsprachigen Kontext aufzufinden sind (beispielsweise Codeswitching),​ noch keinen Platz in der mehrsprachigen Diagnostik eingenommen haben. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen,​ dass ebendiese Phänomene noch unzureichend erforscht wurden, um sie in diagnostische Verfahren zu integrieren. Zentral ist zum anderen jedoch auch die Tatsache, dass in Deutschland ​ noch das mehrsprachige Personal fehlt, dass dem Anspruch einer mehrsprachigen Diagnostik gerecht werden könnet. So stellt Kracht heraus, dass „vor allem in der angloamerikanischen Fachliteratur Einigkeit darüber besteht, dass mehrsprachige Pädagogen und Therapeuten (…) die besten Entwicklungspartner für die Kinder wären (vgl. Kracht 2012, S.579). Ob sich diese These bestätigen wird, zeigt sich wohl erst im Verlauf der nächsten Zeit. Vorab können jedoch Empfehlungen ausgesprochen werden, die einen reflexiven Umgang mit mehrsprachigen Kindern und ihrer Diagnostik anregen sollen: das ‚Phänomen‘ Mehrsprachigkeit ist als Merkmal moderner Gesellschaften zu betrachten, das für immer mehr Menschen an Relevanz zunehmen wird. Die bisher in diagnostischen Prozessen angewandten Altersnormen sollten durch „Entwicklungsnormen,​ die sich auf den Umfang und die Qualität von Entwicklungszeiten mehrsprachiger beziehen“ (Kracht 2012, S.580), abgelöst werden. In der sprachtherapeutischen Praxis sollte nicht mehr von einem Generalisierungseffekt ausgegangen werden, der eine Verbesserung der erstsprachlichen Fähigkeiten durch eine Therapie der Zweitsprache Deutsch mit sich bringen soll. Vielmehr ist eine zunehmende Kooperation mit den mehrsprachigen Eltern sowie mehrsprachigen „Co-workers“ (ebd.) notwendig. Die das Kind in seiner Mehrsprachigkeit ​ unterstützen. Die Tendenz aus diesen Empfehlungen ist deutlich ersichtlich:​ Die Mehrsprachigkeit es Kindes ist eine Ressource, die zukünftig Wertschätzung und vor allem Förderung genießen sollte. Im nächsten Kapitel soll nun eine Darstellung verschiedener Sprachstandserhebungen folgen. Ob diese den aufgeführten Kriterien entsprechen,​ soll in der daran schließenden Diskussion untersucht werden. ​ Es ist grundsätzlich festzuhalten,​ dass dem Bedarf an Instrumenten zur Diagnostik mehrsprachiger Kinder zunehmend weiter nachgegangen wird. Dennoch ist stets zu beachten, dass viele sprachliche Phänomene, die nur im mehrsprachigen Kontext aufzufinden sind (beispielsweise Codeswitching),​ noch keinen Platz in der mehrsprachigen Diagnostik eingenommen haben. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen,​ dass ebendiese Phänomene noch unzureichend erforscht wurden, um sie in diagnostische Verfahren zu integrieren. Zentral ist zum anderen jedoch auch die Tatsache, dass in Deutschland ​ noch das mehrsprachige Personal fehlt, dass dem Anspruch einer mehrsprachigen Diagnostik gerecht werden könnet. So stellt Kracht heraus, dass „vor allem in der angloamerikanischen Fachliteratur Einigkeit darüber besteht, dass mehrsprachige Pädagogen und Therapeuten (…) die besten Entwicklungspartner für die Kinder wären (vgl. Kracht 2012, S.579). Ob sich diese These bestätigen wird, zeigt sich wohl erst im Verlauf der nächsten Zeit. Vorab können jedoch Empfehlungen ausgesprochen werden, die einen reflexiven Umgang mit mehrsprachigen Kindern und ihrer Diagnostik anregen sollen: das ‚Phänomen‘ Mehrsprachigkeit ist als Merkmal moderner Gesellschaften zu betrachten, das für immer mehr Menschen an Relevanz zunehmen wird. Die bisher in diagnostischen Prozessen angewandten Altersnormen sollten durch „Entwicklungsnormen,​ die sich auf den Umfang und die Qualität von Entwicklungszeiten mehrsprachiger beziehen“ (Kracht 2012, S.580), abgelöst werden. In der sprachtherapeutischen Praxis sollte nicht mehr von einem Generalisierungseffekt ausgegangen werden, der eine Verbesserung der erstsprachlichen Fähigkeiten durch eine Therapie der Zweitsprache Deutsch mit sich bringen soll. Vielmehr ist eine zunehmende Kooperation mit den mehrsprachigen Eltern sowie mehrsprachigen „Co-workers“ (ebd.) notwendig. Die das Kind in seiner Mehrsprachigkeit ​ unterstützen. Die Tendenz aus diesen Empfehlungen ist deutlich ersichtlich:​ Die Mehrsprachigkeit es Kindes ist eine Ressource, die zukünftig Wertschätzung und vor allem Förderung genießen sollte. Im nächsten Kapitel soll nun eine Darstellung verschiedener Sprachstandserhebungen folgen. Ob diese den aufgeführten Kriterien entsprechen,​ soll in der daran schließenden Diskussion untersucht werden. ​
diagnostik/mehrsprachigkeit.txt · Zuletzt geändert: 2016/11/11 11:16 von stitzinger
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