Aphasie

stud.paed. Eva Kandzi, Universität Hamburg

Vorbemerkung: Das Störungsbild der Aphasie ist in umfassendem Maße Gegenstand medizinischer, logopädischer, psych-, patho- und neurolinguistischer Forschung. Der folgende Beitrag erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und dient in erster Linie zur ersten Orientierung. Weiterführende und vertiefende Quellen sind mit den unten stehenden Weblinks aufgeführt.

Definition

Aphasien sind neurologisch bedingte Sprachstörungen. Beeinträchtigt ist hier die Fähigkeit, Sprache zu verwenden. Es geht um ein „funktionelles Versagen“, nicht um einen Verlust von der Sprache oder eine Beeinträchtigung des „rezeptiven und produktiven Sprachgebrauchs“ (Welling, 2006, S. 128). Sie entstehen durch äußerliche Einflüsse und haben einen klaren Beginn (Siegmüller, Heide, 2010, Kapitel 8.1.1). Unterschieden werden muss zwischen kindlichen Aphasien und solchen bei Erwachsenen. Aphasien bei Kindern unterscheiden sich in Bezug auf Verlauf und Erscheinungsbild von Aphasien bei Erwachsenen. Bei erwachsenen Betroffenen ist eine typologische Einordnung möglich.

Es ist zu unterscheiden zwischen folgenden Arten der Aphasie:

Broca-Aphasie: Im Falle einer Broca-Aphasie ist der betroffene Teil im Gehirn das Broca-Areal. Dieser Teil ist zuständig dafür, dass ein motorischer Plan für den Akt des Sprechens entworfen wird und dieser dann zum primären, motorischen Kortex geleitet wird (Mußmann, 2012). Das Sprechen der Betroffenen ist stark verlangsamt und sehr anstrengend für sie. Häufig treten phonematische Paraphasien auf. Ebenso gibt es Problematiken auf der morpho-syntaktischen Ebene, beispielsweise in der Satzkonstruktion. Verstehensprobleme treten vor allem auf, wenn ein syntaktisches Verarbeiten erforderlich ist. Lösungen finden sich in einer Schlüsselwort- oder Kontextstrategie (Tesak, 2005, S. 59).

Globale Aphasie: Bei der globalen Aphasie ist die gesamte Sprachregion betroffen. Sie stellt damit die schwerste Form de Aphasie dar. Sie zeigt sich häufig durch zunächst vollkommenes Verstummen der betroffenen Person. Auch sprechen sie in unverständlichen Laut- und Silbenfolgen. Nur selten werden einzelne verständliche Silben oder Wörter gesprochen. Ebenso ist das Sprachverständnis stark erschwert, Lesen und Schreiben ist den Betroffenen meist zunächst nicht mehr möglich (Tesak, 2005, S.59).

Wernicke-Aphasie: Das Wernicke-Areal im Gehirn ist zuständig für die „Wahrnehmung von Sprache und (das) Verstehen des Gesprochenen“ (Mußmann, 2012). Betroffene einer Wernicke-Aphasie zeigen ein gestörtes Sprachverständnis, phone-matische und semantische Paraphasien/ Neologismen. Häufig treten paragrammati-sche Strukturen auf. Auch Lese- und Schreibfähigkeiten sind beeinträchtigt (Tesak, 2005, S.59).

Amnestische Aphasie: Bei der amnestischen Aphasie ist das Hauptproblem eine Wortfindungsstörung. Semantische und phonematische Paraphasien zeigen sich ebenfalls. Dahingegen weisen Betroffene ein relativ flüssiges Sprechen mit häufig intaktem Satzbau auf. Das Verstehen ist hier wenig eingeschränkt, auch die Kommunikation mit Betroffenen ist gut möglich (Tesak, 2005, S. 58).

Ätiologie

Aphasien entstehen bei Erwachsenen meist als Folge einer Hirngefäßerkrankung, zum Beispiel durch einen Schlaganfall. Die seltener vorkommenden kindlichen Aphasien sind am häufigsten verursacht durch eine Schädelhirntrauma (Baur, 2003, S. 232). Diese können beispielsweise durch Verkehrsunfälle, Stürze oder Misshandlung entstehen (Welling, 2006, S.132). Eine weitere Ursache sind Erkrankungen wie Epilepsien, Hirntumore, Abszesse im Hirn oder degenerative Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Baur, 2003, S. 232).

Symptome

Typische Symptome einer Aphasie sind vorwiegend Auffälligkeiten auf der Ebene der Sprachproduktion. Die Spontansprache ist auffällig reduziert, es kann zu einer Reduzierung führen, die an mutistisches Schweigen erinnert. Ebenso zeigen Betroffene ein nichtflüssiges Sprechen, das teilweise telegrammstilartig wirkt. Auffälligkeiten auf der phonologisch-phonetischen und der semantisch-lexikalischen Ebene können auftreten. Ebenso ist häufig der Gebrauch der Schriftsprache beeinträchtigt (Welling, 2006, S. 132). Kinder, die von Aphasien betroffen sind, haben häufig ihre Sprachentwicklung noch nicht beendet. Somit sind Fähigkeiten betroffen, die noch nicht wie bei Erwachsenen automatisiert sind. Das Gehirn eines Kindes steht noch vor Entwicklungsaufgaben, die das Hirn nach einer Aphasie, mit veränderten Funktionen meistern. So kann beispielsweise der (spätere) Erwerb der Schriftsprache von einer früheren Aphasie beeinträchtigt sein (Baur, 2003, S. 231). Die kindliche Aphasie stellt sich somit als homogener dar, als die Aphasie bei Erwachsenen.

Weblinks

http://www.dgs-ev.de/fileadmin/bilder/dgs/pdf-dateien/broschuere_05.pdf

http://logopaediewiki.de/wiki/Aphasie

http://www.rokitta.info/

http://www.aphasiker.de/

Literatur:

Baur, S.: Aphasie bei Kindern. In: Grohnfeldt, M. 2003 (Hrsg.): Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie. Band 2: Erscheinungsformen und Störungsbilder. Stuttgart: Kohlhammer. S. 231-236.

Kubandt, M. 2009: Ratgeber. Aphasie bei Kindern und Jugendlichen. Schulz-Kirchner Verlag.

Mußmann, J. 2012: Inklusive Sprachförderung in der Grundschule. Ernst Reinhard Verlag, München.

Siegmüller, Julia 2010: Leitfaden Sprache, Sprechen, Stimme, Schlucken.

Tesak, J. 2005: Grundlagen der Aphasietherapie.

Welling, A. 2006: Einführung in die Sprachbehindertenpädagogik. München, Basel.

stoerungsbilder/aphasie.txt · Zuletzt geändert: 2013/04/20 10:15 von mussmann
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