Legasthenie/ Lese-Rechtschreibschwaeche

Leselehrgänge

Ausgewählte Beispiele

"Momel"

(von Frederike Lührmann, Liesa Dort, Dominik Günther)

Die Fibel „Momel“ wurde von einer Arbeitsgemeinschaft schwäbischer Sonderschullehrer erarbeitet, um ein möglichst großes Angebot an Material für Schülerinnen und Schüler(SuS) bereitzustellen, die Probleme mit dem Lesenlernen haben. Die Arbeitsgemeinschaft stützte sich auf die eigenen gesammelten Unterrichtserfahrungen und die Überlegungen, wie man dem Problem des Lesenlernens im Unterricht begegnen könnte. Das Ziel bestand darin, einen Leselehrgang zu konzipieren, der zu sach-, situations- und partnerbezogenem Sprachhandeln anregt und anleitet. Aus diesem Konzept heraus entstanden drei Fibelbände, die jeweils aus einer Fibel, einem Arbeitsheft und einem Lehrerhandbuch bestehen. Die Inhalte der drei verschiedenen Fibeln wurden nach folgenden Schwerpunkten untergliedert.

• Band 1 Momel lernt lesen  Gewinnen der Lesefähigkeit • Band 2 Momel übt lesen  Verbesserung der Lesetechnik • Band 3 Momel kann lesen  Verbesserte Sinnerfassung des Gelesenen.

Im Mittelpunkt stehen der Laut und die phonetisch-phonologischen Prozesse, die mithilfe des entwicklungsproximalen Ansatzes bei der Einführung der Buchstaben berücksichtigt wurden. Mit Stützstrategien – Mundbild, Spiegel, Handzeichen – sollen die meist schlecht entwickelten auditiven Differenzierungsfähigkeiten für Sprachlaute der SuS durch eine konsequente Phonemanalyse verbessert werden. Dieser Ansatz bietet eine große Hilfe bei der Vermittlung der Zuordnung von Lauten zu Graphemen. Protagonist der Fibel ist die Figur Momel, die für motivierende und alltagsbezogene Unterrichtssituationen sorgt. Des Weiteren bietet der Leselehrgang eine große Anzahl an Momelliedern, Momeltexten und Momelgeschichten. Die Texte und Geschichten sind vom Umfang und der Schwierigkeit auf den Entwicklungsstand der SuS angelegt und von den jungen Lesern gut zu bewältigen.

Äußere Gestaltung

Auf den ersten Blick wirkt der Leselehrgang sehr einladend. Der Leselehrgang ist in drei Teile untergliedert (Gewichtsreduktion im Schulranzen) und wirken sehr robust (dicke Pappe und gebunden), so dass sie auch nach intensiver Nutzung noch verwendet werden können. Charakteristisch für den gesamten Leselehrgang (sind) die übersichtliche Gestaltung, der klar strukturierte Aufbau und die anregenden bzw. ansprechenden Illustrationen, die in einem ausgewogenen Verhältnis zum Text stehen. Bei der Farbwahl der Fibel wurde auf Farbspielereien verzichtet. Kennzeichnend ist die schwarze Schrift auf weißem Hintergrund. Auch die Abbildungen beschränken sich auf wenige Farben, so dass sie ansprechend, aber nicht ablenkend sind. Die äußere Gestaltung der Arbeitsmaterialien ist unserer Meinung nach zufriedenstellend. Hierbei fiel uns positiv auf, dass die Arbeitsmaterialien übersichtlich und größtenteils selbsterklärend gestaltet sind und der Umgang einfach und aufeinander aufbauend ist. Darüberhinaus liegt den Arbeitsheften eine Anlauttabelle bei, deren Gestaltung unserer Meinung gelungen ist. Grundsätzlich ist das gewählte Layout (Cover in Hochformat, Inhalt in Querformat) zu kritisieren. Des Weiteren wäre eine durchgängige Nutzung von Zusatzsymbole zur visuellen Unterstützung der Aufgabenstellungen wünschenswert. Leider gibt es zu den Arbeitsblättern keine Lösungen. Diese sind auf Grund des Aufbaus auch nicht nötig, allerdings ist die für selbstständiges Arbeiten hinderlich. Auch gibt es keine Lernsoftware zu erwerben, dafür allerdings sehr viele Zusatzmaterialen gegen Aufpreis. Material im Lehrerhandbuch ist leicht zu finden und die Informationen sind übersichtlich gestaltet.

Inhalt und Sprache des Lehrgangs

Der Inhalt und die Sprache sind für das Alter der Kinder angemessen. Der Inhalt schafft motivierende und anregende Lernsituationen. Die Themen beziehen sich auf Alltagssituationen von Kindern. Allerdings kamen wir zu der Auffassung, dass besonders Kinder aus Großstädten und aus getrennt lebenden Familien Probleme haben könnten, sich mit den Geschichten von Momel zu identifizieren, da hier eher das ländliche Leben und vor allem auch das Zusammenleben in einer intakten Familie im Mittelpunkt stehen. Ebenfalls keine Beachtung findet interkulturelles Leben und Integration von behinderten Menschen.

Methodik und Inhalt der Arbeitshefte

Methodisch gesehen sind wir uns darin einig, dass Momel eine sehr motivierende Identifikationsfigur für die SuS darstellt. Den größten Kritikpunkt sahen wir in der Ausarbeitung des Lehrerhandbuchs. Der Aufbau und das Vorgehen der Fibel sowie theoretische Hintergründe werden nicht ausreichend thematisiert. So werden in den Fibeln beispielsweise zusammengehörige Buchstaben bei ihrer Einführung unterstrichen, Umgang und Anwendung bleiben jedoch unerklärt. Grundsätzlich wird der Aufbau der Sequenzen zur Erarbeitung einzelner Buchstaben vorgestellt und hört sich auch sinnvoll und logisch an, eine theoretische Fundierung fehlt allerdings gänzlich. Auch der Umgang mit dem Handzeichensystem, den Ganzwörtern und die Erarbeitung des Mundbildes mit Hilfe eines Spiegels erschließen sich nicht direkt aus dem Text – man muss sich die Informationen als Lehrer aus einzelnen Erwähnungen im Lehrerhandbuch selbst erschließen. Positiv ist allerdings die enorme Fülle an Arbeitsmaterialien, welche es erlaubt, jedem Kind einen individuell gestalteten Lernprozess zu ermöglichen. Den Aufgaben gehen graphomotorische Vorübungen voraus. Unterstützt wird das Üben der Buchstaben durch eine Fliege, die den SuS bei der Führung des Stiftes bei den Buchstaben hilft. Leider sind die Arbeitshefte recht eintönig, da allen das gleiche Schema zugrunde liegt. Doch dies ist nicht weiter tragisch, da dass Lehrerhandbuch eine fülle von Arbeitsmaterialien bietet, durch die der Lehrgang abwechslungsreich gestalten werden kann. Ebenfalls halten wir es für methodisch gelungen, dass schon ab der Einführung des ersten Buchstabens darauf geachtet wird, dass die SuS selbstständig ganze Wörter schreiben und ganze Sätze lesen können.

Fazit

Momel ist optisch gelungen und ansprechend. Der Inhalt des Lehrgangs ist hierbei altersangemessen. Die beiliegenden Arbeitsmaterialien sind nicht nur vielfältig und berücksichtigen individuelle Lernprozesse sondern ermöglichen auch mit allen Sinnen zu lernen. Leider nur unzureichend werden die theoretischen Hintergründe, der Aufbau und die Vorgehensweise des Fibellehrgangs erklärt. Abgesehen dieser kleinen Schwächen kommen wir zu dem Schluss, dass es sich bei Momel um einen schönen Leselehrgang handelt, der besonders gut für die Verwendung in einer Förderschule geeignet ist.

Materialien zur Prävention

Ausgewählte Beispiele

„WUPPIs Abenteuer-Reise durch die phonologische Bewusstheit“

(erarbeitet von Jessica Benecke, Marie Esefeld, Anika Köpge, Philipp Lechens und Lena Weigel, Justus-Liebig-Universität Giessen, FB 03: Sozial- und Kulturwissenschaften, Institut für Heil- und Sonderpädagogik, „Förderunterricht Deutsch“, WS 09/10, Dozent: Dr. Jörg Mußmann)

„WUPPIs Abenteuer-Reise“ ist ein Übungsprogramm für Kindergarten oder Vorschule zur Förderung der phonologischen Bewusstheit in Verbindung mit Textverständnis (Literacy) und der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit. Weitere Sprachbereiche, wie Wortschatz oder Artikulation kommen ebenfalls vor. Das Programm wurde entwickelt von Christiane Christiansen, der Landeskoordinatorin für Sprachheilpädagogik und Sprachförderung im vorschulischen Bereich in Schleswig-Holstein. Es ist beim Finken Verlag für ca. 80€ erhältlich.

Das Programm besteht aus:
  • den Vorlesegeschichten „WUPPI vom Planeten WUPP“, die als motivierender Einstieg für die Übungen dienen sollen
  • dem Ohrentraining mit 80 Aufgabenkarten. Die Aufgaben sind in eine durchgängige Handlung eingebettet
  • dem Heft Einführung mit Hinweisen zur Durchführung des Programms und Erläuterungen zum wissenschaftlichen Hintergrund
  • dem Heft Anhang mit Material- und Wortlisten für die Reim-, Silben- und Lautspiele und Kopiervorlagen
  • der Handpuppe WUPPI
Durchführung:

Vor Beginn der Förderung soll ein einführender Elternabend stattfinden, in dem die Eltern über die Inhalte und den Verlauf des Förderprogramms aufgeklärt werden. Das Programm ist innerhalb des letzten halben Kindergartenjahres einzusetzen und umfasst eine Förderdauer von 17-18 Wochen. Die Sitzungen sollen täglich stattfinden und dauern jeweils ca. 30 Min. Dabei soll in jeder Sitzung eine Übungsaufgabe aus dem Ohrentraining durchgeführt werden. Die Zeitplanung für die Vorlesegeschichten ist flexibel. Haben die Kinder das Programm erfolgreich absolviert, bekommt jeder eine Urkunde, die ihn als Ohrenkönig auszeichnet.

Theoretischer Hintergrund:

Die Theorie zur Phonologischen Bewusstheit beschäftigt sich mit der Einsicht der Kinder in die Lautstruktur der gesprochenen Sprache und ist eine bedeutsame Vorläuferfähigkeit für den Schriftspracherwerb. Die Bedeutung der phonologischen Bewusstheit für den Erfolg eines Kindes beim Lesen- und Schreibenlernen konnte in Studien nachgewiesen werden. (vgl. Küspert, Schneider 2008) Der Gedanke bei diesem Förderprogramm ist, dass Lese-Rechtschreib-Störungen vorgebeugt werden kann, bevor die Kinder überhaupt Lesen und Schreiben lernen. Der strukturelle Aufbau des WUPPI-Förderprogramms orientiert sich an Modellen zur Entwicklung der phonologischen Bewusstheit, nach denen sich zunächst die phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne (Bewusstheit für Silben und Reime) und danach die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne (Bewusstheit für Laute) entwickelt. Deshalb kommen beim Ohrentraining auch zunächst Übungen zu Geräuschen allgemein, dann Aufgaben zu Silben und Reimen und erst später Übungen zu Lauten vor. Bei der Wahrnehmung zu Lauten gelten die Faustregeln, dass Laute am Wortanfang leichter wahrnehmbar sind als Laute in der Wortmitte oder am Wortende, dass Vokale besser wahrnehmbar sind als Konsonanten und dass Frikative („Zischlaute“: f, w, s, sch…) leichter wahrnehmbar sind als Plosivlaute (p, t, k…). Aus diesem Grunde werden beim Ohrentraining zunächst Laute am Wortanfang und erst gegen Ende Laute im Wortinneren behandelt (Lautanalyse und –synthese). Die Laute werden in folgender Reihenfolge eingeführt: Vokale, Frikativlaute, Plosivlaute. Am Ende kommen Abschlussübungen zu allen Bereichen. In dem Heft Einführung wird der wissenschaftliche Hintergrund des Förderprogramms leider nur sehr grob beschrieben. Die Struktur des Übungsprogramms ähnelt stark dem Aufbau des Förderprogramms „Hören, lauschen, lernen“ von Küspert und Schneider, nur dass bei WUPPI keine Übungen zu Wörtern und Sätzen vorkommen. In dem Förderprogramm werden keine schulischen Inhalte vorweggenommen, d.h. Lesen, Schreiben und Buchstaben werden nicht thematisiert.

Äußere Gestaltung:

Das ganze Wuppi-Programm für Kinder bunt und ansprechend gestaltet. Die Vorlesegeschichten und Ohrenaufgaben sind zwar eigentlich nur von den Erwachsenen vorzulesen, aber man kann den Kindern natürlich auch das ein oder andere Bild zeigen. Die Ohrenaufgaben sind auf etwas dickere Pappe auf Hochglanz gedruckt. Ohrenaufgaben und Hefte sind alle gemeinsam in einem dicken und stabilen Ordner untergebracht. Der Aufbau des Heftes ist für ErzieherInnen besonders praktisch und übersichtlich: Jede Ohrenaufgabe ist auf einer Seite (Vor- und Rückseite) untergebracht und kann natürlich auch separat ausgeheftet werden. Bei jeder Aufgabe steht oben die Nummer und der Titel der Aufgabe und welchen Sprachbereich diese Aufgabe trainieren soll. Rechts an der Seite wird bei jeder Aufgabe darauf hingewiesen wo die Aufgabe bewältigt werden soll und welche Materialien für das Spiel benötigt werden. Dann folgt der Aufgabentext. Diejenigen Textteile, die von der Handpuppe zu sprechen sind, sind extra farblich hervorgehoben. Häufig wird mit Zaubersprüchen gearbeitet, die alle Kinder mit der Handpuppe mitsprechen sollen. Ausdruckbare Musterseiten sind im Internet zu finden über www.finken.de .

Inhalt und Sprache:

Wie bereits dargestellt, folgt der Aufbau des Programms gängigen Entwicklungsmodellen. Der Protagonist WUPPI dient als Identifikationsfigur. Er hat Schwierigkeiten mit seiner phonologischen Bewusstheit und bittet die Kinder, ihm zu helfen sich zu steigern. Indem die Kinder ihre eigene phonologische Bewusstheit trainieren, können sie WUPPI zu seiner rechtmäßigen Thronfolge auf dem Planeten WUPP verhelfen, die ihm von Bösewicht Bösix verwehrt wird, solange er nicht richtig zuhören kann. Die Vorlesegeschichten, die die Ausgangssituation klären, sind fix im Gegensatz zum Inhalt der Fibelgeschichten, die mehr oder weniger frei erzählt werden können. In beiden Teilen des Übungsprogramms findet sich angemessenes und abwechslungsreiches Vokabular für Vorschulkinder. Darüber hinaus gibt es Singspiele und Reime, die immer wiederkehren, zum Beispiel wenn man sich einen fliegenden Teppich herbeizaubern muss. Die Geschichten sind nicht gegendert, also geschlechtsspezifisch ausgerichtet, was aber keinen Nachteil darstellt. Es wird versucht mit den Themen und Figuren sowohl Mädchen als auch Jungen anzusprechen. Die Aufgaben müssen nie isoliert bearbeitet werden, sondern sind immer in eine Geschichte eingebettet, was der Aufrechterhaltung der Motivation dient. Ebenso motivierend wirken die immer neuen Aufgaben, die die Kinder von WUPPIS Vater, dem König von WUPP, gestellt bekommen, um WUPPI mal wieder aus der Patsche zu helfen. Einmal müssen sie sich ins Wichtelland begeben, ein anderes Mal müssen sie Tiere suchen und zuordnen. Einige Aufgaben gehören nicht in den Kontext der Geschichte, können deshalb aber nicht ausgelassen werden. Außerdem steigt der Schweregrad der Aufgabenstellungen sukzessive an, sodass die Kinder nicht unvermittelt mit schweren Aufgaben konfrontiert werden, die ihnen Probleme bereiten könnten. Durch steigende Schwierigkeitsgrade und immer neue Aufträge wird versucht die Motivation der Kinder aufrechtzuerhalten.

== Methodisch-didaktische Grundsätze: == Die ersten Phonem-Graphem-Zuordnungen beziehen sich auf stimmhafte Laute wie „m“, „l“, „w“, „s“, „n“ und die Vokale. Das Heraushören von Lauten wird lange zunächst nur beim Anlaut geübt. Bei den Ohrenaufgaben wird das Finden von Reimen und das Gliedern von Wörtern in Silben geübt, was später in der Grundschule von Bedeutung sein wird. Die Abbildungen sind eindeutig, sodass die Kinder sie leicht erkennen können. Es werden keine Gegenstände ausgewählt, die unterschiedlich bezeichnet werden können, z.B. „Dose“/„Büchse“. Schulische Inhalte werden nicht vorweggenommen.

Evaluation:

Daten zur Evaluation des Sprachförderprogramms liegen leider nicht vor.

Literatur:

Christiane, C.: „WUPPIs Abenteuer-Reise durch die phonologische Bewusstheit“, 3. Aufl., Oberursel 2008.

Küspert, P. Schneider, W.: „Hören, lauschen, lernen. Sprachspiele für Kinder im Vorschulalter“, 6. Aufl., Göttingen 2008.

http://www.finken.de/kindergarten/wuppis_abenteuer_reise/wuppis_abenteuer_reise.htm

Hinweis: Folgende Struktur kann für folgende Materialpräsentationen genutzt werden!

Zielstruktur:

Sprachliche Foerderziele:

Materialien:

Vorgehen bzw. Verlauf:

Sie koennen hier den Sitzungsverlauf beschreiben oder auf einen Anhang verweisen.

Ideen zur Umsetzung, Variationsmoeglichkeiten, Tipps:

Materialien zur Stunde

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Literaturhinweise


2010/03/21 12:44, Dr. Jörg Mußmann

therapie/legasthenie_lese-rechtschreibschwaeche.txt · Zuletzt geändert: 2011/05/10 22:45 (Externe Bearbeitung)
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